Content is King.” Diese Regel aus den früheren Zeiten des Internets gilt auch für das digitale Lernen: Hochwertige Lerninhalte sind die Voraussetzung für den Erfolg einer Corporate Academy. Doch was macht ein Web-Based-Training zum digitalen Lernerlebnis, das nachhaltig wirkt?

In der Theorie ist die Entwicklung eines Web-Based-Trainings (WBT) für ein Unternehmen eigentlich ganz einfach: Vor dem Aufbau der Lernanwendung, sichtet man die Ausgangsmaterialien und entwickelt daraufhin ein Storyboard. Anschließend lässt man sich das Storyboard von der jeweiligen Fachabteilung freigeben und baut mit einem Autorentool der Wahl das E-Learning-Modul. Fertig. In der Praxis gestaltet sich dieser Prozess jedoch weitaus komplexer.

Caesar Modell

Das Caesar-Modell ist ein Leitfaden für die erfolgreiche E-Learning-Produktion. Es ermöglicht die didaktische Strukturierung bei der Vermittlung von Problemlösungsfähigkeiten in digitalen Lernanwendungen.

LERNZIELE ANALYSIEREN

Nehmen wir an, das Schulungslernziel einer Produktneueinführung lautet: Vertriebs- und Servicemitarbeiter sollen die Vorteile des Produktes Fachhändlern erklären und demonstrieren können. Um dieses Lernziel zu erreichen, ist mehr als reines Produktwissen notwendig. Vielmehr muss das Training Kommunikations- und Problemlösungsfähigkeiten vermitteln. Die Teilnehmer sollen lernen:

  • die Anwendungskontexte, in denen das Produkt eingesetzt wird, anschaulich darzustellen
  • flexibel auf die Bedenken von Kunden einzugehen
  • eine Produktdemonstration vor Ort durchführen zu können

Aber ist die Vermittlung solcher flexiblen Kommunikations- und Problemlösungsfähigkeiten in einem WBT überhaupt möglich?

Wenn es um die Vermittlung komplexer Fertigkeiten in einer digitalen Lernanwendungen geht belegen Studien, dass diese am besten in konkrete Anwendungskontexte eingebunden werden sollen. Das bedeutet, die gleichzeitige Vermittlung von Problemlösungsfähigkeiten und Produktwissen innerhalb einer digitalen Lernanwendung ist nicht nur möglich, sondern notwendig.

Das setzt aber einen sauberen mediendidaktischen Aufbau der Lerninhalte voraus.

MEDIENDIDAKTISCHE UMSETZUNG

Als Rahmen für die didaktischen Aufgaben eignet sich das CAESAR Modell. Dabei geht man in folgenden Schritten vor:

  • Machen Sie sich von Anfang an den Lebens-, Arbeits- oder Anwendungskontext klar und nehmen Sie immer wieder Bezug darauf.
  • Wenn der Kontext klar ist, aktivieren Sie die Lernenden mit einer Aufgaben- oder Problemstellung, die es mit Hilfe des Lernmoduls zu lösen gilt.
  • Leiten Sie die Lernenden an, Handlungsoptionen zu explorieren. Durch direktes Feedback werden Konsequenzen unterschiedlicher Handlungsweisen erfahrbar.
  • Zur Lösung der Probleme ist Fachwissen notwendig. Vermitteln Sie dieses konkret und handlungsbezogen als einzelne aufeinander aufbauende „Fertigkeiten“.
  • Stellen Sie sicher, dass die Lernenden die Fertigkeiten an mehreren Anwendungsbeispielen anwenden, ohne „übertrainiert“ zu werden.
  • Neues Wissen wird erst in der Anbindung an das bestehende Vorwissen abrufbar. Binden Sie deshalb die neu erworbenen Fertigkeiten an das bestehende Wissen an, um Lernerfolge zu verdeutlichen.

Digitales Lernen ist in vielen Unternehmen immer noch im Wesentlichen eine „Pflichtveranstaltung“ für Compliance-Trainings zur Schulung von Gesetzestexten und Verhaltenskodizes. Dabei liegt ein großes Potenzial in der Vermittlung von anwendungsbezogenen Fertigkeiten, die auf die Unternehmensstrategie einzahlen. Mit Hilfe der richtigen mediendidaktischen Konzeption werden Lerninhalte emotional erfahrbar und bleiben nachhaltig haften. So werden aus trockenen Fachthemen nachhaltige Lernerlebnisse, die die Mitarbeiter aktivieren und Wissen langfristig verankern.